Hideaki Anno aeußert seine Sorgen zur Industrie

      Hideaki Anno aeußert seine Sorgen zur Industrie



      Evangelion Macher Hideaki Anno hat sich auf dem Tokyo International Film Festival kritisch zur aktuellen Situation geäußert. Seiner Aussage nach habe die Industrie eine Sachgasse erreicht. Es sei schwer dieser zu entkommen, wenn man nicht die finanziellen Hürden für die Animationen aufheben würde. Vielleicht sei es aber auch schon komplett zu spät.

      Seine Lösung dafür sei z.B. die Animator Expo, ein Projekt, welches vom Studio Khara (Evangelion 1.0 – 3.0) und dem Medienkonzern Dwango (Mirai Nikki, Dantalian no Shoka), ins Leben gerufen wurde und als Plattform für junge, neue Animatoren sowie auch anderen künstlerischen Köpfen dient.

      Quelle: ANN
      Beyond a shattered looking glass
      fairytale becomes nightmare
      imagination becomes madness
      friend become foe
      and time is running out...


      "Remember: It is possible and even necessary to simultaneusly enjoy media while also being critical of its more problematic aspects"
      Anita Sarkeesian
      So. endlich etwas Zeit gefunden, um in diesem Thread etwas zu schreiben \o/

      Zunächst danke für die News!


      Grundsätzlich kann ich Anno nur zustimmen und freue mich sehr, dass eine so prominente Figur aus der Anime Industrie ein solch deutliches Statement macht. Er steht ja nicht alleine da. Nebst des im ANN Artikel erwähnten Hiroaki Yura, hat auch Hayao Miyazaki ähnliche Bekundungen gemacht. Es ist eine Tatsache, dass die Anime Industrie zu uninnovativ ist und ein Problem mit neuen Ideen, experimentellen Ideen hat. Seit dem Moe Boom, der schon in den 90ern einsetzte aber zwischen 2004 und 2007 präzedenzlose Dimensionen erreichte, sind Moe-Blobs wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die weiblichen Anime Charaktere haben um die Wette gestrahlt und eine war süsser als die andere. Ich habe mich stets gefragt, wieso sich solche offensichtlich immer wiederholenden Shows, so gut verkaufen lassen in Japan. Die Antwort liegt tatsächlich bei den Otakus. Ich meine damit Otaku im ursprünglichen Sinne, wie der Begriff in Japan verwendet wird und nicht, wie in Europa/USA als eine Bezeichnung für Anime und Manga Fans.

      Otaku ist ja eine Bezeichnung, die Menschen beschreibt, welche eine ausgeprägte Obsession mit fiktionalen Charakteren haben, meistens weiblichen Anime oder Manga Figuren. Diese Obsession geht teilweise so weit, dass Otakus verkünden, fiktionale Anime Mädchen geheiratet zu haben. Sie bezeichnen sich als Menschen, die nichts für 3D Frauen übrig haben, sondern behaupten allen Ernstes sie würden diese fiktionalen Frauen lieben. Ich dachte zunächst dies sei eine kleine Minderheit von sozial dysfunktionalen Männern, die ein ernstes psychisches Problem haben. Doch diese Gruppe scheint grösser zu sein, als man annimmt und sie besitzt ausserdem enorme Kaufkraft.

      Japan war in den 90er Jahren in einer tiefen Wirtschaftsrezession und die Umsätze des gesamten Konsumsektors war rückläufig. Nicht so die Umsätze der Anime Industrie. Es wurde beobachtet, dass gerade Shows, welche sogenannte Moe-Characktere enthielten unglaubliche Absatzzahlen schrieben. Aber auch das Merchandising in Form von süssen Mädchen Figuren oder Körperkissen mit Anime Charakteren drauf, ging weg wie warme Brötchen. Das war die Zeit, wo die Anime Industrie tatsächlich realisiert hat, dass besagte Otakus eine potentielle Goldgrube sind. Begriffe wie Fanservice oder Moe kamen auch erst in den frühen 90ern auf, auch wenn es Moe-Characktere und Otakus schon seit den 70ern gab (damals eher bei Mangas präsent). Seit dieser Zeit befindet sich die Anime Industrie in einer Fanservice-Moe Zeitschleife und wiederholt immer wieder dieselben Anime-Baupläne, welche zum Zweck haben die Fantasie dieses obsessiven Publikums anzusprechen.

      Viele unabhängige Indie Produzenten sagen immer wider dasselbe. Ich zitiere Mal Yura Hiroaki, welcher den Kickstarter Anime "Under the Dog" produziert:

      aDumbGorilla asked:
      "...Do you hope Under the Dog will be something fresh and set a new standard in the modern anime industry?"

      Yura:
      Absolutely. There are fewer and fewer anime I feel interested or compelled to watch each season. Every year, I hear huge political struggles from industry colleagues and they are saddened by the fact if they could put more effort in their work rather than politics, it'd be so much better.Without much politics and freely doing what we want to do, I hope simply by doing that, UTD will reach new industry standards.


      Quelle: ANN

      Zeichner, Autoren und Regisseure werden von Publishern, also den Leuten, welche die Animes kommerziell vertreiben, dazu gedrängt Fanservice und Moe in ihre Werke einfliessen zu lassen, selbst wie sie das nicht wollen. Auch wenn ein Regisseur eine ernste und erwachsene Geschichte erzählen will, wird ihm von Publishern oft ein Riegel vorgeschoben. Yura trift in diesem Zitat mein Gefühl, das ich von der Anime Industrie zurzeit habe. Es gibt immer wie weniger Seasonal Animes, welche es wert wären geschaut zu werden.


      Ob Hideaki Annos Plattform eine Lösung für das Problem darstellt, bezweilfe ich. Es ist sicherlich eine Plattform, die unabhängigen Entwicklern hilft kleinere Projekte zu realisieren und sich eine Fanbase aufzubauen. Aber es gab bisher bereits drei Anime Crowdfunding Plattformen, die allesamt entweder gescheitert sind oder sich lediglich mässiger Beliebtheit erfreuen.
      Viel effektiver wäre es, wenn die Industrie endlich anfangen würde nicht für ein ausschliesslich japanisches, sondern ein globales Publikum zu arbeiten. Regisseure wie Shinichiro Watanabe, Hayao Miyazaki oder der hier besprochene Hideaki Anno haben bewiesen, dass sich auf dem amerikanischen Kontinent ein riesiger Markt für Anime befindet. Crunchyroll hat über 500.000 registrierte User, welche eine enorme Nachfrage für Animes bekunden. Es ist erstaunlich, dass erst 2013 Shinichiro Watanabe als erster Anime Regisseur mit einem amerikanischen und einem japanischen Publisher zusammen gearbeitet hat, um Space Dandy zu produzieren.

      Bevor wir eine Verschiebung des Fokus in der Anime Industrie sehen, wird sich diese erst Gedanken machen müssen um neue Geschäftsmodelle und wie man neue Märkte besser erschliessen kann. In Europa, vor allem Osteuropa, liegt noch viel unausgeschöpftes Potential. Aber solange sich das altbekannte Fanservice Rezept in Japan verkaufen lässt, werden sich die grossen Studios und Publisher kaum die Mühe machen ihr Geschäftsmodell zu ändern. Hoffentlich werden kleinere Studios und Indie Entwickler anfangen dies zu tun. Es bleibt nur zu hoffen, dass Projekte wie "Under the Dog" kommerzielle Erfolge werden, um weitere talentierte Regisseure, Autoren und Zeichner zu ermutigen, neue Wege einzuschlagen in der Produktion und im Vertrieb von Animes.
    Partner
    Zelda-Forum.com Animehunter.de
    Vote us
    Animexx Topsites


    Online seit dem 30.10.2001