Adaptionen und wie Netflix Death Note versaute

      Adaptionen und wie Netflix Death Note versaute

      Es gibt hin und wieder Phänomene, welche ich für unerklärlich halte. Meistens handeln sie davon, dass eine bestimmte Masse an Personen sich vollkommen willkürlich und ohne jede Logik handeln für den Zweck etwas zu verteidigen. Auch auf Adaptionen trifft dieses Phänomen zu, schlechte Adaption werden mit Phrasen wie „es ist besser als nichts“ gut geredet, weil man es vielleicht nicht besser weiß oder es schade findet, dass etwas schlecht geredet wird, obwohl man es irgendwie mag.
      Berserk 2016/2017 ist ein solches Phänomen. Eine Anime-Adaption des Berserk Manga ist wohl eine der größten Wünsche, die es in dieser Community gibt, allerdings war diese Adaption ein Reinfall auf jeder Ebene. Dennoch liest man Kommentare wie das zuvor genannte Beispiel, weil keine Adaption wäre doch auch irgendwie traurig gewesen? Und wenn ich ehrlich sein soll, keine Adaption wäre mir lieber als eine schlechte Adaption.
      Adaption ist ein recht vages Wort. Es gibt 1 zu 1 Adaptionen, Adaptionen, die die Story anpassen, Adaption, welche kläglich versagen, und und und. Der kürzlich erschienene Death Note Film von Netflix ist auch ein gutes Beispiel für eine miserable Adaption.

      Der Death Note Film versagt in jeglicher Hinsicht, nicht einmal aufgrund der Tatsache, dass sie alles geändert haben bzw. angepasst haben, sondern weil sie nicht die Intentionen und Thematiken des Originals erkennen, sondern nur mit einem Namen handeln, welcher populär ist um Geld zu verdienen. Ähnlich wie die Berserk Adaptionen versagt der Death Note Film in so vielen Bereichen, die man einfach beheben bzw. verhindern hätte können. Berserks hauptsächliche Problem war das niedrige Budget und die unerfahrenen Leute, die an diesen Anime arbeiten sollte, ebenso wie die Producer und das Komitee dahinter, welche diese Entscheidung vielen. Death Notes Problem war der Versuch etwas Neues aus etwas Populären zu machen, ohne dabei zu verstehen weshalb es populär ist.
      Ohne Kenntnisse des Anime bzw. Manga sind diese Dinge im Death Note Film sicherlich nicht so merklich zu spüren, allerdings noch immer sehr prägnant vorhanden. Inhaltlich macht der Film kein Sinn, der Soundtrack ist furchtbar und die Schauspieler machen einen eher kläglichen Eindruck. Die meisten würden den Film als mittemäßig und schwach bezeichnen, die die auch Kenntnisse über den Anime bzw. Manga besitzen, würden behaupten es sei eine schlechte Adaption, aber ein mittelmäßiger Film für sich allein. Jedoch gibt es auch eine recht große Gruppe, die eben nicht so denkt, nein, sie würden sogar behaupten der Film sei gut. Mit diesen Personen ist es immer hart zu diskutieren, da jedes Argument nichts bewirkt. Solche Personen schalten im Prinzip nur ihr Hirn aus und lassen sich unterhalten.

      Das Klischee sein Hirn einfach auszuschalten und etwas zu genießen, ist wohl einer dieser Dinge, die ich nicht verstehen kann. Unterhaltung allein ist schön und gut, aber es gibt eine unzählige Vielzahl an Möglichkeiten unterhalten zu werden, warum es also nur darauf begrenzen unterhaltsam zu sein? Mal davon abgesehen, dass es niemals eine gute Idee ist, einfach sein Hirn auszuschalten, finde ich viele unterhaltungsformen nicht gerade so unterhaltsam, weil sie unterhaltsam sind, sondern dahinter viel mehr steckt.
      Um es mal im Falle des Death Note Films vorzuzeigen. Der Film besitzt einen gutmütigen Protagonisten, welcher gegen Ende des Films sogar selbst sagt, dass er eigentlich niemanden mehr töten möchte. Währenddessen ist die Protagonistin eigentlich mehr wie Light aus dem Original, da sie sogar skrupellos und bösartige Taten vollbringt, nur damit sie selbst letztendlich das Death Note in ihre Hände bekommt, da der Protagonist nicht fähig genug ist. Das Ganze wird in einen Teenliebesdrama am Ende beendet mit einer der furchtbarsten und zum totlachenden Szene überhaupt, welche uns genau genommen nichts sagt.

      Der Film besaß keinerlei tiefere Botschaft, nichts aus dem man wirklich was lernen könnte oder vielleicht sein eigenes Denken nochmal hinterfragt. Das Original war sicherlich kein tiefsinniges oder thematisches Meisterwerk, jedoch brachte es seine Thematik sehr schnell und direkt hervor, sodass sie eigentlich jedem klar wurde. Wie Macht oder die Fähigkeit über andere zu richten einem beeinflusst bis hin zur Entwicklung eines Gottkomplexes. Das Ganze ist dann auch wieder spektakulär in Szene gesetzt, weshalb der Anime und Manga auch so beliebt sind. Der Netflix Film hingegen versucht sich nicht einmal diesen Dingen zu widmen, versucht irgendeine erzwungene Teenyliebesdrama-Müll umzusetzen und scheint nicht einmal in der Lage zu sein, seinen eigenen Regeln zu folgen, denn in einer Vielzahl von Situationen, werden diese einfach mal außer Kraft gesetzt.

      Sicherlich gibt es noch einige andere gute Beispiele, solcher Situationen, ja, selbst in Anime selbst, daher würde es mich auch mal Interessieren, wie ihr dazu steht und vor allem würde es mich auch interessieren, was ihr von der ganzen Sache mit dem „Hirn ausschalten und unterhalten werden“ haltet.
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